„Idées Communes 2026“ in Yverdon-les-Bains Gemeinden bündeln ihre Kräfte, um den digitalen Wandel voranzutreiben
Was wäre, wenn die Lösung für die chronische Überlastung der Gemeindeverwaltungen nicht in mehr Ressourcen läge, sondern in einer neuen Art der Zusammenarbeit? Genau dieser Frage gingen am 23. April 2026 mehr als dreissig Gemeinden in Yverdon-les-Bains nach. Anlass war die Veranstaltung Idées Communes, die sich längst als wichtiger Treffpunkt für all jene etabliert hat, die die Zukunft des kommunalen Service-Public aktiv mitgestalten möchten.
Organisiert von Myni Gmeind in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Gemeindeverband und der Stadt Yverdon-les-Bains, versammelte der Anlass Vertreterinnen und Vertreter aus Gemeinden, Verwaltungen und spezialisierten Organisationen. Alle teilen eine gemeinsame Realität: steigender Arbeitsdruck, immer komplexere Aufgaben und wachsende Erwartungen der Bevölkerung.
Eröffnet wurde der Tag unter der Leitung von Raffaello Dolci. Begrüsst wurden die Teilnehmenden von Claudia Kratochvil Hametner, Direktorin des Schweizerischen Gemeindeverbands, von Pierre Dessemontet, Stadtpräsident von Yverdon-les-Bains, sowie von Anne Rizzoli, Leiterin des Dienstes Bevölkerung und Digitales der Gastgeberstadt. Zusätzliche Perspektiven brachte Milena Folletti ein, Delegierte für digitale Transformation der Republik und des Kantons Tessin, die in einem offenen Dialog Erfahrungen aus kantonaler Sicht teilte.
Von Beginn an war klar, dass es hier nicht um theoretische Debatten oder abstrakte Digitalstrategien ging. Im Fokus standen praxistaugliche Lösungen, die Gemeinden unmittelbar entlasten können. Gesucht wurden Ansätze, mit denen sich administrative Abläufe vereinfachen lassen und gleichzeitig die Qualität der Dienstleistungen für die Bevölkerung steigt.
Anne Rizzoli verwies auf eine zentrale Erkenntnis. Viele Gemeinden stehen vor denselben Herausforderungen, arbeiten jedoch oft isoliert an ähnlichen Fragestellungen. Gerade darin liege ein enormes Potenzial. Wer Erfahrungen austauscht, Prozesse harmonisiert und gemeinsam Lösungen entwickelt, kann Dynamik und Effizienz gewinnen. Die digitale Transformation wird so zu einem gemeinsamen Projekt statt zu einer Einzelaufgabe.
Der Veranstaltungstag war bewusst interaktiv gestaltet. In intensiven Workshops und Netzwerkphasen tauschten sich die Teilnehmenden offen über Erfolge, Hürden und offene Fragen aus. Sieben thematische Schwerpunkte strukturierten die Diskussionen und spannten den Bogen über den gesamten Lebenszyklus digitaler Projekte. Im Zentrum standen unter anderem die Analyse bestehender Prozesse, Fragen der Governance, der Umgang mit externen Anbietern sowie der sinnvolle Einsatz von künstlicher Intelligenz.
Ein Kerngedanke zog sich durch alle Gespräche. Digitale Transformation beginnt nicht mit neuen Tools oder Plattformen, sondern mit dem Verständnis der eigenen Abläufe. Erst wenn Prozesse klar sind und gezielt vereinfacht werden, entfaltet Technologie ihren Mehrwert. Ebenso entscheidend sind organisatorische Entscheidungen, die zur Realität jeder Gemeinde passen. Klare Zuständigkeiten, eine aktive Steuerung der Lieferanten, frühzeitig berücksichtigte Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz sowie ein pragmatischer Zugang zur künstlichen Intelligenz wurden als Erfolgsfaktoren identifiziert. Eine ebenso wichtige Rolle spielt der Mensch. Der Aufbau von Kompetenzen, die Begleitung der Mitarbeitenden und eine offene Verwaltungskultur entscheiden über den langfristigen Erfolg.
Pierre Dessemontet brachte diesen Geist der Zusammenarbeit prägnant auf den Punkt. Digitale Transformation beginne nicht mit Werkzeugen, sondern mit dem Verständnis für Prozesse und mit der Bereitschaft zur Kooperation. Durch gemeinsame Standards und gebündelte Kompetenzen verlieren Gemeinden keine Autonomie. Im Gegenteil, sie gewinnen Handlungsspielraum und können ihre Dienstleistungen gezielter auf die Bedürfnisse der Bevölkerung ausrichten.
Mit Idées Communes hat Yverdon-les-Bains eindrücklich gezeigt, dass digitale Transformation nicht verordnet werden kann, sondern im Dialog entsteht. Schritt für Schritt, gemeinsam und mit Blick auf die konkrete Entlastung der Verwaltungen. Über die Technologie hinaus wurde deutlich, dass eine neue Art der Zusammenarbeit möglich ist, effizienter, nachhaltiger und näher an den realen Herausforderungen der Gemeinden.
Die Erkenntnisse aus den Workshops werden in kommenden Austauschen vertieft und in konkrete Umsetzungsinitiativen überführt. Das Ziel bleibt klar. Gemeinden sollen wirksam in ihrer digitalen Transformation unterstützt werden, während Wissenstransfer und Zusammenarbeit langfristig gestärkt werden.