Erfa-Stammtisch, 30. April 2026, zum Thema «Gemeindeservice und Elektronische Identität»

Gemeindeservice neu denken: digital, sicher und bürgernah

Wie können Gemeinden ihre Dienstleistungen durch digitale Identitäten effizienter und gleichzeitig nutzerfreundlicher gestalten? Diese Frage stand im Zentrum des Erfa-Stammtischs vom Donnerstag, 30. April 2026 zum Thema «Gemeindeservice, elektronische Identität, AGOV und digitale Nachweise».

Der Anlass zeigte eindrücklich, welches Potenzial AGOV, die künftige e-ID und digitale Nachweise für einen modernen Gemeindeservice bieten. Anhand kompakter Fachinputs und eines konkreten Praxisbeispiels wurde sichtbar, dass durchgängige digitale Prozesse bereits heute erfolgreich umgesetzt werden können.

Gemeinden stehen täglich im direkten Austausch mit ihrer Bevölkerung. Mit digitalen Identitäten eröffnen sich neue Möglichkeiten, von der sicheren Anmeldung über AGOV bis zur digitalen Ausstellung von Nachweisen in einer Wallet. Medienbrüche können vermieden werden, Abläufe vereinfachen und sowohl der Service für die Bevölkerung als auch die Effizienz in der Verwaltung spürbar verbessern. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der grösste Nutzen dort entsteht, wo Prozesse sauber definiert, rechtliche Fragen geklärt und Mitarbeitende aktiv in den Wandel einbezogen werden.

Einblicke aus Bund, Fachpraxis und Gemeinde

Stefan Minder von der Bundeskanzlei zeigte auf, wie AGOV als staatliches Behördenlogin funktioniert, wie Gemeinden ihre Anwendungen anbinden können und welche Rolle AGOV künftig im Zusammenspiel mit der e-ID einnimmt. AGOV wurde als Loginverfahren für Behördenapplikationen vorgestellt. Es ist nicht primär ein Zielportal für Bürgerinnen und Bürger, sondern ein neutraler Login-Dienst, der in bestehende Anwendungen eingebunden wird. Die Lösung verfolgt bewusst staatliche Sicherheits- und Souveränitätsziele.

Marcel Kessler von der Digitalen Verwaltung Schweiz veranschaulichte, wie digitale Nachweise (E-ID) als überprüfbare Credentials in einer Wallet bereitgestellt werden können. DVS4U entstand aus einem Proof of Concept im Kanton Thurgau und wurde zu einer schweizweit mandantenfähigen Lösung weiterentwickelt. Ziel ist, dass Kantone und Gemeinden digitale Nachweise ausstellen können, ohne die gesamte technische Komplexität selbst aufbauen zu müssen.

Die Wohnsitzbestätigung wurde als zentrales Beispiel verwendet. Eine wichtige Botschaft war, dass nicht jede Gemeinde eigene inkompatible Nachweise definieren sollte. Stattdessen sollen standardisierte Nachweisschemas entstehen, die bei Bedarf ergänzt werden können.

Mario Peverelli, CDO der Gemeinde Thalwil, gewährte praxisnahe Einblicke in einen vollständig digitalen Prozess vom Antrag über das eService-Portal mit AGOV bis zur elektronisch signierten Verfügung. Das Beispiel der Betreuungsgutschriften zeigte, wie digitale Identitäten Prozesse vereinfachen und gleichzeitig Rechtssicherheit gewährleisten.

Die Gemeinde rechnet mit rund 900 Stunden Einsparung pro Jahr sowie mit der Vermeidung zusätzlicher Stellenaufstockungen. Demgegenüber stehen einmalige Investitionskosten. Besonders bei Massengeschäften wurde die Digitalisierung als lohnend beschrieben.

Die Moderation übernahm Silvan Müggler vom Schweizerischen Gemeindeverband und führte souverän durch den Austausch.

Zentrale Erkenntnisse nach Themen

Thema Kernaussage
Elektronische Identität AGOV ist das zentrale staatliche Loginverfahren für Behördenanwendungen und kann die E-ID künftig direkt nutzen.
Digitale Nachweise Verifiable Credentials ermöglichen überprüfbare, strukturierte und datenschutzfreundlich prüfbare Nachweise.
Rolle der Gemeinden Gemeinden sind Anbieter digitaler Services, mögliche Aussteller digitaler Nachweise und erste Supportstelle.
Prozessmanagement Digitalisierung muss mit Prozessverständnis, Recht, Fachsystemen und Support zusammen gedacht werden.
Wirtschaftlichkeit Der Nutzen ist besonders bei Massengeschäften mit hohen Fallzahlen und hohem Bearbeitungsaufwand sichtbar.
Change Management Mitarbeitende müssen befähigt, Prozesse erklärt und neue Rollen sauber eingeführt werden.

Von Myni Gmeind noch zwei Hinweise zum Thema:

Mit GemeindeConnect existiert eine gemeinsame Initiative des Schweizerischen Gemeindeverband (SGV), des Vereins Myni Gmeind und der Digitalen Verwaltung Schweiz (DVS). Ziel ist es, Gemeindeverbände, Kantone und Gemeindeorganisationen dabei zu unterstützen, digitale kommunale Serviceleistungen gemeinsam einfacher bereitzustellen. Auf diese Weise werden teure Alleingänge vermieden und die Kosten können von der Gemeinschaft geteilt werden. Viele Gemeinden stehen vor ähnlichen Herausforderungen, arbeiten aber oft einzeln. GemeindeConnect bringt dieses Wissen zusammen, schafft Orientierung und ermöglicht Lösungen, die für alle funktionieren.

https://www.mynigmeind.ch/de/gemeindeconnect

Myni Gmeind hat verschiedene Mitglieder und Partner, die Gemeinden in diesem Thema unterstützen können. Stellvertretend Adnovum, Sie unterstützen Gemeinden dabei, Prozesse rund um elektronische Identitäten umzusetzen.

Link Folien:

Myni Gmeind Produkte und Lösungen: https://www.mynigmeind.ch/de/showcase

Ein herzliches Dankeschön gilt allen Referierenden und Teilnehmenden für die spannenden Inputs und den offenen Erfahrungsaustausch.